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Brasilianischer Hahn und deutsche Eiche

Dieser Tage erreichte uns ein kleine Episode zu einem kuriosen Stück lebendiger Partnerschaftspflege. Claudio Schlindwein, Herausgeber der Tageszeitung „O Municipio“ in Brusque ließ uns über unseren Ehrenpräsidenten Egon Klefenz folgendes Foto mit Begleittext zukommen:

Wie Sie wissen, wohne ich in der Nähe des Karlsdorf-Immigrantenplatzes (Karlsdorf-Platz in Brusque) und gehe oft daran vorbei. In den letzten Monaten habe ich einen ungewöhnlichen Bewohner gesehen, einen weißen Hahn. Das Merkwürdige ist, dass nie jemand in der Nähe ist, was mich glauben lässt, dass er keinen Besitzer hat und der Platz sein Zuhause ist. Die Neugier wuchs. Vor allem samstags, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe – der Hahn ist immer da. Der Platz ist sein Zuhause und er fühlt sich sehr wohl, auf dem Bürgersteig zu gehen, im Park zu scharren, in die Turngeräte zu klettern. Natürlich gehört auch die Eiche (auf dem Foto im Hintergrund auf der Grünfläche zu sehen), die Sie hier vor vielen Jahren gepflanzt haben, zu seinem Garten ebenso wie das Denkmal aus Granit, das den Namen des Platzes trägt.
Heute, als ich mit dem Hund spazieren ging, hielt ich an, um ein Foto des Hahns zu machen und bemerkte, dass da eine Dame war, die sich näherte und das Rätsel im Gespräch klärte. Ihr Name ist Lourdes und sie ist eine Nachbarin des Platzes. Vor drei Monaten bekam sie den Hahn als Jungvogel. Sie nannte ihn Nenê und brachte ihn zu sich nach Hause.
Da ihre Wohnung sehr klein ist und sie ihn in eine Hundehütte einsperren muss, beschloss sie, ihn auf den Platz zu bringen. Er gewöhnte sich schnell an den neuen Raum und war bald den ganzen Tag allein. Abends holt Dona Lourdes Nenê ab und bringt ihn zum Schlafen nach Hause. Das ist seit drei Monaten so, wobei der Hahn Nenê inzwischen die Attraktion des Platzes ist. Er erregt allgemein Aufmerksamkeit und weckt die Neugier der Vorbeigehenden.
Aber leider war heute Nenês letzter Tag auf dem Platz. Frau Lourdes schenkte ihn dem Besitzer einer Hühnerfarm. Obwohl sie den Hahn sehr mochte, hatte sie sich dazu entschlossen, weil einige Vorbeigehende inzwischen das Tier im Auge haben und sie Angst hat, dass es in irgend einem Topf landen könnte. Aber Frau Lourdes hat eine Vereinbarung mit dem neuen Eigentümer von Nené getroffen. Sobald es junge Küken gibt, bekommt sie eines seiner Jungen, um es auf dem Immigrantenplatz in Karlsdorf wieder aufzuziehen. Der Hahn Nenê geht also, aber bald werden wir wieder eines seiner Kinder auf dem Platz haben.

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